Unsere Zielsetzungen – Unsere Forderungen

Wir, das Hagener Forum für Fuß- und Radverkehr,
– ein Zusammenschluss Hagener Bürgerinnen und Bürger –
setzen uns für eine schnelle und umfassende
Verkehrswende in Hagen ein.

 

Dazu verfolgen wir sechs zentrale Ziele:

Unser erstes Ziel:

Eine durchgängige, attraktive und sichere Fuß- und Radverkehrs-Infrastruktur

Wir wollen, dass sich Fußgänger*innen und Radfahrer*innen in der gesamten Stadt (und zu den attraktiven Zielen im Umland) schnell und sicher bewegen können.

Der Fuß- und Radverkehr wird bisher von Verkehrsplanung und Politik weitgehend vernachlässigt und hat eine zu kleine Lobby in Hagen.

Fußgänger und Radfahrende müssen sich oftmals schmale Wege teilen.
An den meisten Hauptverkehrsstraßen existiert keinerlei Radinfrastruktur.
Die Umsetzung des Radverkehrskonzeptes kriecht im Schneckentempo voran.
Der “Masterplan Mobilität” ist bisher weitestgehend ein Wolkenkuckucksheim …

DAS MUSS SICH ÄNDERN!

Dazu fordern wir:

  • Sofortige Umsetzung “niederschwelliger” Maßnahmen (z.B. Pop-Up-Lanes, Nutzung temporär stillgelegter Spuren als Radspuren …), wo immer diese verkehrssicher möglich ist

  • Umgestaltung aller wichtigen Verbindungsstraßen und Hauptachsen: Aufrüstung mit zukunftsfesten Radwegen, kein Verdrängen des Radverkehrs in die Nebenstraßen

  • Sichere Radverkehrs-Anbindung des Stadtzentrums an die regionalen und überregionalen Radwege des Umlandes

  • Bei allen anstehenden wie zukünftigen Großprojekten:
    zukunftsfeste Radwege (Breite in der Regel 3m je Richtung) planen,
    auf wichtigen Verbindungsstraßen auch Busspuren planen.
    Wo dies nicht möglich ist: Attraktive und bequeme zusätzliche Wege für den Fuß- und Radverkehr (Breite in der Regel 3m je Richtung) schaffen.

  • Konsequente Anwendung von Tempo 30 im gesamten Stadtgebiet (soweit kommunal regelbar). Dies ist nach StVO an vielen Stellen möglich, in bestimmten Fällen sogar vorgeschrieben.

  • Regelung schaffen zur Umwandlung von öffentlichen Autostellplätzen zu Radstellplätzen und Errichtung von Fahrradhäuschen nach Dortmunder Vorbild

  • Errichtung von guten Fahrradständern (Fahrradbügeln) vor wichtigen Zielen (Geschäfte, Ärzte, Dienstleister)

Unser zweites Ziel:

Attraktive Straßen zum Gehen und Verweilen – Straßenraum ist Lebensraum

Wir wollen möglichst viel Straßenraum
in Lebensraum für die Menschen verwandeln.

Die aktuelle Pandemie hat es erneut an den Tag gebracht: Hagen ist keine Stadt für Fußgänger und Radfahrer!
Viele Bürgersteige sind schmal angelegt – zu schmal, um in diesen Zeiten angemessenen Abstand zu halten.
Dort, wo die Wege breiter sind, werden sie für die gemeinsame Nutzung von Rad- und Fußverkehr freigegeben:
So entstehen auch hier ständig Probleme und Gefährdungen.

STRAßENRAUM muss LEBENSRAUM werden!

Dazu fordern wir:

  • Im gesamten Stadtgebiet: Kein Auto auf Gehwegen, Autos gehören auf die Straße, Gehwege sind kein Parkraum, allgemeines Verbot des aufgeschulterten Parkens.
    Konsequente Verfolgung von Übertretungen durch die Ordnungsbehörden

  • Regelmäßige Einschaltung der Ordnungsbehörden bei Verkehrsgefährdung durch ruhenden Verkehr (gefährdendes oder behinderndes Parken) wie fahrenden Verkehr (Verletzung der Abstandsgebote, Geschwindigkeitsüberschreitungen)

  • In Kreuzungsbereichen Bürgersteige auf Straßenniveau absenken (Barrierefreiheit für Kinderwagen/Rollstühle/Rollatoren).

  • Verkehrsberuhigung aller Wohnviertelstraßen

  • Vermeidung / Reduktion jedweden Verbindungsverkehrs durch Wohnviertel

  • Im innerstädtischen Bereich Mehrspurigkeit (mehrere richtungsgleiche Spuren für den MIV) weitgehend aufheben. Wir fordern Flächengerechtigkeit bei der Aufteilung der Verkehrsflächen, Fußgängerinnen und Radfahrerinnen dürfen nicht länger benachteiligt werden.

Unser drittes Ziel:

Sichere Mobilität für Kinder

Wir wollen,
dass sich unsere Kinder in der Stadt sicher bewegen können.

In Hagen zielt bis heute die Verkehrsplanung auf die Optimierung des Verkehrsflusses für das Auto.
Spätestens seit Corona ist wieder deutlich, wie viel sich Kinder und Jugendliche in diesem Verkehr bewegen müssen und welchen Gefahren sie dabei ausgesetzt sind:
Zu schmale Gehwege, zu kurze Grünphasen für Fußgänger,
Ampelschaltungen, die die Geduld von Kindern überfordern,
keine sicheren Radwege auf den Schulwegen und
keine sicheren Übergänge an Schulbushaltestellen.

Unsere Stadt soll im städtischen Verkehr kinderfreundlich und kindersicher werden!

Dazu fordern wir:

  • sichere Rad- und Fußwege zu allen Schulen (mindestens 2m pro Fahrtrichtung, sichere Kreuzungsgestaltung für radfahrende Kinder)

  • Rund um Schulen absolutes Halteverbot

  • Schulwege, insbesondere von Grundschulkindern, wo immer möglich ertüchtigen: Breite Gehsteige, sichere Kreuzungsgestaltung mit prioritärer Fußgängeranforderung etc.

  • Schulbus-Frequenz /-Haltestellen für große Gruppen wartender Kinder ausrüsten

  • Fußgängerübergänge an Schulen sichern, Geschwindigkeitsbegrenzung auf 20 km/h bzw. auf Schrittgeschwindigkeit.

  • Kindertaugliche Fuß-/Radwege zu Schwimmbädern, Sportplätzen/-hallen und Büchereien sowie den Nahversorgungszentren

  • An allen Schulen, Schwimmbädern, Sportanlagen, Büchereien etc. ausreichende Abstellplätze (z.B. Parkbügel) für Fahrräder schaffen.

Unser viertes Ziel:

Sichere Kreuzungen

Wir wollen, dass alle Kreuzungen insbesondere für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen sicher gestaltet werden.

Kreuzungen sind Unfallschwerpunkte. Der größte Teil der Unfälle mit Radfahrerbeteiligung oder Fußgängerbeteiligung passiert in Kreuzungsbereichen – häufig mit Personenschäden.

An allen Kreuzungen muss – durch bauliche Gestaltung und durch die Ampelschaltung – besondere Rücksicht auf die schwächsten Verkehrsteilnehmer genommen werden!

Dazu fordern wir:

  • Priorisierende Anforderungsampeln für Fußgänger mit angemessener Dauer der Grünphase

  • Automatische Fahrradampelschaltungen, eingebunden in die allgemeine Verkehrssteuerung.

  • Sichere Kreuzungsführung für den Radverkehr mit Bevorzugung des fließenden Radverkehrs gegenüber motorisierten Verkehrsteilnehmern.

  • Vorgezogene Haltelinien und Aufstellflächen für Radfahrende an allen Großkreuzungen ohne baulich abgetrennte Radwegkreuzungsführung

  • Getrennte Ampelschaltungen, soweit möglich, für rechtsabbiegende Kfz und geradeaus fahrende Radfahrende mit Priorisierung der Radfahrer

  • Rückbau von freien, ungesteuerten Rechtsabbiegern, wenn eine Fuß-/Radverkehrsführung an der Straße vorhanden ist.

  • In Kreuzungsbereichen bei Einmündungen Kurvenradien soweit verringern, dass den Autofahrern besondere Aufmerksamkeit und Schrittgeschwindigkeit abverlangt wird.

  • Sichtbehinderungen bereits weit vor Kreuzungen und Einmündungen abbauen. (Werbeplakate, Parkplätze).

  • Radwege / Radfahrstreifen im Kreuzungsbereich deutlich rot markieren, (rutschsicher).

  • Ausreichend Warte-/Überquerungsplatz an Ampeln für Rad- und Fußverkehr

  • An Großkreuzungen Ampelschaltungen für Linksabbieger-Radverkehr optimieren. („Grüne Welle“ für Linksabbieger-Radverkehr)

Unser fünftes Ziel:

Förderung des multimodalen Verkehrs – Leichte Nutzung mehrerer verschiedener Verkehrsmittel

Wir wollen durch die Schaffung attraktiver Umstiegsangebote allen Bürgern ermöglichen, den jeweils für sie sinnvollsten Mix der Verkehrsmittel frei und komfortabel zu wählen.

Hagen ist Pendler-Stadt – Tausende strömen jeden Tag in die Stadt und aus der Stadt, um ihrer Arbeit nachzugehen. Für all diese Pendler müssen Möglichkeiten geschaffen werden, mindestens den innerstädtischen Teil ihrer Strecke mit dem alternativen Verkehrsmittel ihrer Wahl (Rad, ÖPNV) zurückzulegen.

Nur so lässt sich der Wegeanteil des Autoverkehrs effektiv reduzieren – und die Atemluft in Hagen verbessern.

Dazu fordern wir:

  • Fahrradstationen an allen Umsteigepunkten

  • Einführung einer Mobilitätscard / Mobilitätsapp

  • Jobtickets für ÖPNV zu günstigen Konditionen anbieten

  • Einführung eines Fahrrad- und Pedelec-Verleihsystems in Hagen

  • E-Bike-Verleih an allen wichtigen Umsteigepunkten

  • Aufrüstung von Bussen für regelmäßige Möglichkeit des Radtransports (auch E-Bike) im ÖPNV, prioritär auf Strecken ins bergige Umland

  • Unterstützung des Aufbaus von Fahrrad- und E-Bike-Fuhrparks in Hagener Firmen und öffentlichen Einrichtungen.

  • Verleih von Lasten-E-Bikes in allen Wohnvierteln

  • Stadtweite Einführung eines Car-Sharing mit E-Fahrzeugen

  • Forderung an die DB: Barrierefreie Zugänge zu allen Bahnsteigen an allen Bahnhöfen der Stadt

Unser sechstes Ziel:

Eine umsetzungsstarke Stadtverwaltung.

Wir wollen eine Stärkung der Stadtverwaltung,
sodass sie ihren großen Aufgaben gerecht werden kann.

In den vergangenen Jahren wurden wichtige Fördermittel nicht beantragt, weil die Stadt nicht in der Lage war, ausreichende Planungen für die Anträge vorzulegen. Die Umsetzung bereits geplanter Maßnahmen verläuft im Schneckentempo, weil die in den Haushalt eingestellten Gelder nur für wenige Maßnahmen im Jahr ausreichen.
Für alle unsere Zielsetzungen verlangen wir die angemessene Ausstattung der Stadtverwaltung mit ausreichenden Personalmitteln und Sachmitteln:

Für eine zügige und reibungslose Planung und Umsetzung der Verkehrswende!

Dazu fordern wir:

  • Aufstockung des Personals für die Stadtplanung/Verkehrsplanung mit Schwerpunkt auf Förderung des Fuß- und Radverkehrs

  • Aufstockung des Haushalts (Nachtragshaushalt): Aufstockung der Planungsmittel und Baumittel zur Umsetzung von Sofortmaßnahmen zur Verkehrswende

  • Aufstockung des Personals im Ordnungsamt für eine flächendeckende Überwachung des ruhenden Verkehrs auch in den Außenbezirken

  • Gute Aus- und Weiterbildung des Planungs- und Ordnungspersonals zu aktuellen Regelungen in Angelegenheiten des Fuß- und Radverkehrs.